sábado, 17 de mayo de 2025

Veggie statt Fleisch - der Speiseplan unserer Vorfahren

 


Es ist eine der großen Fragen der Menschheitsgeschichte: Seit wann essen unsere Vorfahren Fleisch? Mit einer neuen Zahnanalyse konnten der Speiseplan von menschlichen Vorfahren zum ersten Mal untersucht werden - mit einem klaren Ergebnis.

"Wir haben zum ersten Mal wirklich handfeste Beweise und harte Zahlen", sagt Geochemikerin Tina Lüdecke. Ihr Forschungsteam fühlt den Vorfahrendes Menschen auf den Zahn und analysiert am Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie, was menschliche Vorfahren vor mehr als drei Millionen Jahren gegessen haben. Waren sie Vegetarier, oder haben sie schon regelmäßig Fleisch gegessen?

Seit wann essen unsere Vorfahren Fleisch?

Wie wichtig war Fleisch für die Entwicklung hin zum modernen Menschen? Diese Frage will das Mainzer Forschungsteam beantworten, darunter auch Anthropologin Jennifer Leichliter. "Wir sind in der Lage, durch die chemische Signatur im organischen Teil der Zähne die Ernährung zu bestimmen. Davon konnte man jahrzehntelang nur träumen."

Zahnschmelz ist die härteste Substanz im Körper. Deshalb bleiben in ihm winzige Spuren, kleine Stickstoffisotope, auch nach Millionen von Jahren stabil. Das Forschungsteam gewinnt sein Analysematerial durchs Bohren - ähnlich wie beim Zahnarzt. Sie suchen im Zahnschmelz nach Spuren von winzigen Eiweißbausteinen, den Aminosäuren. Ein chemischer Fingerabdruck wird dann durch die Stickstoffisotopen-Analyse bestimmt.

Je nach Ernährung verändert sich das Verhältnis von schwerem und leichtem Stickstoff. Dieses Verhältnis im Zahnschmelz verrät, was unsere Vorfahren gegessen haben. Schon eine kleine Probe von nur wenigen Milligramm reicht für die Analyse aus.

Australopithecus lebte größtenteils als Vegetarier

Das Forschungsteam konnte die neue Zahnanalyse zum ersten Mal an sieben Vormenschen von der Gattung Australopithecus testen. Das sind die letzten Menschenaffen, aus denen dann die Gattung Homo, also der Mensch, entstanden ist.

Die Ergebnisse der im Fachmagazin Science veröffentlichten Studie sind eindeutig: Das Forschungsteam findet in den Zähnen keinen Hinweis auf Fleisch. "Das heißt nicht, dass sie gar kein Fleisch gegessen haben, aber auf jeden Fall nicht genug, um es zu messen oder das Gehirnwachstum zu beeinflussen", sagt Tina Lüdecke.

Vielleicht mal ein Ei oder Termiten - aber viel mehr tierisches Eiweiß haben die Vorfahren der Gattung Australopithecus vor drei Millionen Jahren nicht gegessen. Australopithecus war also größtenteils Vegetarier. Das zeigen die Zahnanalysen von Funden im südöstlichen Afrika, die etwa 3,3 bis 3,7 Millionen Jahre alt sind.

Für die Analyse hat das Mainzer Forschungsteam die Ergebnisse mit fossilen Zahnproben von Fleischfressern wie Hyänen oder Säbelzahnkatzen verglichen. Die dafür nötige Zahnschmelzanalyse kann derzeit nur am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz und in den USA an der Princeton Universität durchgeführt werden.

Analysen sollen Fleischkonsum zum ersten Mal beweisen

Der Fleischkonsum unserer Vorfahren ist in der Fachwelt ein umstrittenes Thema. Manche Forschende vermuten, dass die ersten Vorfahren schon vor 3,5 Millionen Jahren regelmäßig Fleisch gegessen haben, also der Australopithecus. Andere nehmen an, dass erst die Vorfahren der Gattung Homo vor etwa zwei Millionen Jahren auf den Geschmack kamen. "Davon gehen wir aus", sagt Anthropologin Leichliter vom Max-Planck-Institut für Chemie. Doch mit der neuen Analyse könnte das erstmals bewiesen werden.

Wie wichtig war Fleisch für die Entwicklung des Menschen?

Noch ist unklar, welche Rolle Fleisch bei der Entwicklung hin zum modernen Menschen spielte. Es gibt zwar die Theorie, dass das Gehirn erst mit energiereicher Nahrung, zum Beispiel Fleisch, auf die heutige Größe wachsen konnte. Denn ein großes Gehirn benötigt deutlich mehr Energie. "Das Einfachste ist, eine Nahrungsquelle zu finden, die sehr viel Energie dem Körper zuführt - wie Fleisch zum Beispiel", sagt Lüdecke.

Doch wie wichtig war Fleisch wirklich? Andere Theorien gehen davon aus, dass vor allem das Feuer entscheidend war. Denn gekochte Nahrung liefert viel mehr Energie als Rohkost - wahrscheinlich war das Feuer der Durchbruch hin zum modernen Menschen. Auch dazu sollen die Zahnanalysen in Zukunft neue Hinweise liefern.

Bald wollen Lüdecke und ihr Team in Afrika weitere Zähne analysieren. Dort möchte die Geochemikerin dann vor allem Proben von jüngeren Menschenarten im östlichen Afrika oder Südostasien nehmen. Dann möchte sie zum ersten Mal nachweisen, wann genau unsere Vorfahren Fleisch gegessen haben.

VEGANES KOCHEN IN DER STEINZEITHÖHLE

Carnivoren oder Veganer: wie ernährten sich die steinzeitmenschen?

Die oft verbreitete Annahme, unsere frühen Verwandten wären in erster Linie Fleischesser gewesen, stellt sich nach jüngsten Forschungsergebnissen als falsch oder zumindest sehr fraglich heraus.

Essen wie die Neandertaler: die sogenannte Paläo-Diät (Steinzeit-Diät) wird heute oft als Synonym für eine sehr Fleisch lastige Ernährung benutzt. Nun zeichnen verschiedene Forscher ein ganz anderes Bild vom Speiseplan der Neandertaler und der frühen Homo-Sapiens. Die Ergebnisse verschiedener Forschungen zur Ernährung in der Steinzeit ergeben ein sehr interessantes und oft überraschendes Bild. So standen verschiedenste Pflanzen allein oder zumindest weit häufiger auf dem Speiseplan als angenommen.

Ein Forscherteam um Ceren Kabukcu1 von der Universität in Liverpool hat Funde von pflanzlichen Nahrungsresten aus dem Irak und aus Griechenland analysiert, die bis zu 75.000 und rund 12.000 Jahre alt sind. In einem Artikel im Journal „Antiquity“ schreiben die Forscher, dass diese Funde die ältesten Belege ihrer Art seien, die auf eine Zubereitung von Speisen in Südwestasien und in Europa schließen lassen. Die Funde seien die ersten echten Hinweise auf komplexes Kochen und damit auf eine Essenskultur bei Neandertalern und auch bei frühen modernen Menschen – lange vor dem landwirtschaftlichen Zeitalter.

Mit Hilfe von verschiedenen mikroskopischen Verfahren und Techniken analysierten die Forscher Reste von verkohlter pflanzlicher Nahrung der Jäger und Sammler. Diese Untersuchungen gaben Hinweise auf die verwendeten Nahrungsmittel und die jeweiligen Zubereitungsmethoden. Das Zubereiten von Pflanzensamen durch Einweichen, Stampfen, Würzen und Erhitzen sehen die Forscher in der Tat als den Beginn des Kochens.

12.000 jahre alte kochkunst

Funde aus der Franchthi-Höhle in Griechenland geben Aufschluss über die frühen kulinarischen Fähigkeiten des Homo sapiens von vor 12.000 Jahren. So wurden verkohlte Samen und sogar Überreste von Nahrung gefunden, die an eine Art Fladenbrot erinnern. Verschiedene Schalen von Samen seien für Wicken, Linsen und andere Hülsenfrüchte charakteristisch. Einige dieser Hülsenfrüchte enthalten bittere Anteile, die erst durch eine Bearbeitung vor dem Verzehr genießbar gemacht werden müssen. Glatte Kanten und andere Strukturen der Samenüberreste ließen die Forscher zum Schluss kommen, dass die Frühmenschen diese gestampft, grob gemahlen oder eingeweicht haben. Zum Teil wurden wohl auch frische Samen mit einer höheren Feuchtigkeit verwendet. Die Funde aus Franchthi seien, so betonen die Forscher, die ältesten derartigen Reste von Pflanzen in Europa.

Im kurdischen Norden des Irak hingegen fanden die Forscher in der Shanidar-Höhle Hinweise auf die Zubereitungen von Platter-Erbsen und Erbsen. Wahrscheinlich verarbeitete Homo sapiens hier auch wilden Senf und Pistazien schon vor 35.000 bis 42.000 Jahren. Dies ließ sich aus zerkleinerten und verschmolzenen Nahrungsresten vermuten.

Fortschrittliche nahrungszubereitung der neandertaler

In der gleichen Höhle hatten Neandertaler schon vor 70 bis 75.000 Jahren Gräser und Früchte zubereitet. Bereits früher konnten Wissenschaftler anhand von Zahnstein-Analysen zeigen, dass in der Shanidar-Höhle Neandertaler eine sehr abwechslungsreiche Ernährung hatten und zum Beispiel Wildgetreide bereits erhitzen. Einzelheiten dazu lieferten nun die Ergebnisse der Forscher von der Universität in Liverpool.

Ob in den Höhlen in Griechenland oder im Irak, das Einweichen und Erhitzen wilder Pflanzen und das Verarbeiten durch Stampfen oder grobes Mahlen reduzierte die bitteren Substanzen in den Samenhüllen, was zu einem besseren Geschmack und zu einer höheren Verträglichkeit führte.

Ganz wurden die Samenhüllen jedoch nicht entfernt. Ein geringer Anteil von Tanninen und Alkaloiden behielten die frühen Menschen, laut den Forschern, wohl absichtlich. Ceren Kabukcu sieht darin den Beginn gewisser kulinarischer Kulturen, in denen Aromen schon sehr früh eine Bedeutung bekommen haben. Heute lieben ja auch viele Menschen Vollkorn als Brot oder im Müsli.

Homo Sapiens und Neandertaler waren also schon früh in der Lage etwas zuzubereiten. Und gewisse kreative Kochweisen kann man den Jägern und Sammlern wahrscheinlich zugestehen. Auch wenn man über die Art des Erhitzens ohne Töpfe und andere Kochutensilien nur spekulieren kann – Respekt haben beide sich dafür schon verdient.

Heute ist die Zubereitung von Speisen auf heißen Steinen wieder modern geworden. So können wir bei dem nächsten Besuch in einem Lavastein-Restaurant oder vor der nächsten Steinofen-Pizza ja einmal kurz auf unsere Vorfahren anstoßen.

Auf den zahn fühlen

Bereits vor der neolithischen Revolution (also dem erstmaligen Aufkommen von Ackerbau, Viehzucht, Sesshaftigkeit und Vorratshaltung) und damit in den groben Anfängen des Lebens, wie wir es heute kennen, hatten unsere Vorfahren mehr auf dem Kasten, als wir es noch vor einigen Jahren erahnten. Und doch war nicht alles „im grünen Bereich“ – wie man ebenfalls wissenschaftlich feststellen kann.

Neben den Analysen der pflanzlichen Nahrungsreste hat vor allem die schon erwähnte Zahnsteinanalyse viele neue Erkenntnisse gebracht. Forscher der Universität von Adelaide hatten schon vor einigen Jahren anhand dieser herausgefunden, dass es unter den Neandertalern Vegetarier gegeben hat. So sagt Laura Weyrich: „Wir haben uns die Fossilien von Neandertalern angeschaut und konnten tatsächlich erkennen, was sie damals gegessen haben. Zudem konnten wir rekonstruieren, in welchem Gebiet sie lebten, wie gesund sie waren oder welche Krankheiten sie hatten.“

Die Mikrobiologin aus Adelaide hat verschiedene Zähne von Neandertalern untersucht. Die Zähne stammen aus verschiedenen Gebieten wie Spanien, Belgien und Italien. Mit Hilfe von DNA-Sequenzen konnte sie die Ernährung je nach Gebiet unterscheiden und grob bestimmen. An den Zähnen aus nördlicheren Gebieten wurden viele Fleischreste von Mufflons, also Wildschafen, und Wollnashörnern gefunden. Hier muss also sehr viel Fleisch auf dem Speiseplan gestanden haben. Die Analysen aus Spanien, also wesentlich südlicher, aus der El Sidron-Höhle ergaben, dass es sich definitiv nicht um Fleischesser handelte.

Der Nachweis von Moos, Pinienkernen, Pilzen und Baumrinde erklärt sich durch die Umgebung, die damals vor allem aus Waldgebieten bestand. Die Paläo-Diät in Spanien war also fleischlos.

Medizinische Versorgung hat es damals ebenfalls in Ansätzen gegeben. So konnte auch Salizylsäure aus Baumrinde nachgewiesen werden. Das natürliche Schmerzmittel ist noch heute bekannt und Vorbild für die Pharmazie. Sogar Spuren natürliches Antibiotikum fand man, wie der Schimmelpilz Penicillin. Das Wissen über die Natur war also schon ausgeprägter als wir es von den „Keulen schwingenden Wilden“ erwartet haben.

Ein anderer blick auf die steinzeit

Neandertaler und frühe moderne Menschen haben bereits bewusst verstanden, wie sie die Ressourcen aus ihrer Umgebung nutzen konnten. Ihre soziale Kompetenz und das Zusammenleben waren ausgeprägter als lange gedacht. Unser Bild von der Steinzeit hat sich so stark verändert und neue Erkenntnisse werden es weiter tun.

In jedem Fall war es ein langer Weg vom Kochen in der Steinzeit bis hin zu den heutigen Kochsendungen im Fernsehen und den stylischen Food-Channels in den sozialen Medien. Vielleicht können wir bei dieser langen Geschichte auch etwas für uns selbst mitnehmen. Womöglich erkennen wir in unseren Vorfahren sogar Trendsetter für das, was heute vegane und pegane Ernährung heißt. Wenn es schon in der Steinzeit möglich war, sich pflanzlich zu ernähren, dann sollte es doch heute erst recht kein Problem sein. Wir von velivery glauben daran.

Warum der Mensch auch fleischlos kann

"Fleisch ist ein Stück Lebenskraft" behauptet ein bekannter Slogan. Stimmt das wirklich? Oder kommen wir auch ganz gut ohne aus? Die Faktenlage ist eindeutig.

Auch wenn aufgrund zahlloser Skandale wie BSE und Gammel-Döner die Zahl der Vegetarier stetig steigt, haben die meisten Menschen noch immer große Lust auf Fleisch. Allein die Deutschen essen knapp 60 Kilogramm Wurst und Fleisch pro Kopf und Jahr, in den USA sind es noch einmal 30 Kilogramm mehr. Fragt sich: Ist es Gewohnheit oder raffiniertes Marketing, was uns zu Fleischessern manipuliert? Oder können wir schlicht biologisch nicht anders, weil unser Körper seit jeher auf die fleischlichen Nährstoffe angewiesen ist?

Dass der Mensch von seinen Ursprüngen her ein Fleischesser ist, kann kaum noch bezweifelt werden. Wissenschaftler haben mit Laserstrahlen die Backenzähne des Australopithecus abgetastet, des ältesten aller Hominiden, und stellten dabei fest, dass unsere Vorfahren offenbar einen breiten Speiseplan aus Blättern, Früchten, Samen, Wurzeln, Knollen - und Fleisch hatten. Wobei sie sich allerdings wohl vom Obstesser dorthin entwickelten, wie Tobias Lechler vermutet, der an der Universität Hannover seine Doktorarbeit über die "Ernährung als Einflussfaktor auf die Evolution des Menschen" geschrieben hat.

Denn die Früchte lieferten einfache Kohlehydrate, für deren Verwertung ein kurzer Verdauungstrakt mit nur einer Magenkammer reichte - und diese Kurzversion eignete sich auch für den Verzehr von Fleisch, das nicht zu lange in einem warmen Körper liegen sollte, weil es schnell verdirbt. Die Fähigkeit zum optimalen Verwerten von hartfasrigem Gemüse ging dabei zwar verloren (was die meisten von uns bestätigen können, wenn sie nach dem Verzehr von Zwiebeln oder Kohl mit Blähungen zu kämpfen haben), doch dafür hatte der Frühmensch nun eine Alternative, zumal wenn es in Trockenzeiten nur wenige Früchte gab.

Ohne Fleisch kein Homo Sapiens?

Zudem bot das Fleisch eine Eiweißquelle, die womöglich das Wachstum des Gehirns bis zu seiner heutigen Größe förderte. "Dass Menschen tierische Nahrungsquellen in ihren Speiseplan aufnahmen, war sehr wahrscheinlich ein Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung seiner kognitiven Leistungsfähigkeit", erklärt Lechler. Ohne die tierischen Eiweiße hätte sich der Mensch womöglich nicht zum Homo sapiens mit seinen einzigartigen Verstandeskräften entwickeln können.

Dies bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass wir in der heutigen Wohlstandsgesellschaft mit ihrem üppigen Lebensmittelangebot immer noch auf Fleisch angewiesen sind. Zwar kann unser Verdauungstrakt tierische Eiweiße besonders leicht verwerten, weil ihre Aminosäurenstrukturen den unsrigen ähneln. Doch durch eine Kombination von Eiern, Molkereiprodukten und pflanzlichen Lebensmitteln - wie etwa Kartoffeln und Quark oder Ei und Soja - werden wir mit Eiweißen versorgt, die in ihrer Verwertbarkeit nicht nur dem Fleisch ähnlich, sondern ihm sogar überlegen sind. Unser Stoffwechsel kann sie noch leichter verarbeiten.

Auch die hartnäckige, von der Lebensmittelindustrie verbreitete These, wonach Fleisch nicht zuletzt deswegen "Powerfood" für uns sei, weil es als Quelle von Eisen und B-Vitaminen nicht zu toppen wäre, erweist sich als Mythos. So enthalten 100 Gramm Schweineschnitzel etwa ein Mikrogramm Vitamin B12 und damit deutlich weniger als etwa ein Frühstücksei (1,4 Mikrogramm). Darüber hinaus hat gerade der aktuelle Trend zum fettreduzierten Lightfood dazu geführt, dass Fleisch nur noch bedingt zur Mineralienversorgung taugt. Vor allem Schweine, die durch Züchtung und spezielle Fütterung immer weniger Fett auf den Rippen haben, liefern nicht nur weniger Kalorien, sondern eben auch weniger Mineralien. Ihr Eisengehalt zum Beispiel ist laut Erhebungen des Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie in Dummerstorf um 60 Prozent niedriger als in den üblichen Nährwerttabellen angegeben. Die genauen Ursachen für diesen Schwund sind bisher ungeklärt.

"Wir brauchen nicht so viele Mineralstoffe wie weithin vermutet"

Dennoch hat diese Demineralisierung des Fleisches in den letzten Jahren hierzulande keineswegs dazu geführt, dass wir nun kollektiv unter Eisenmangel und Blutarmut leiden. Und unser Immunsystem ist nicht zusammengebrochen, weil uns plötzlich Selen und Zink fehlte. Das heißt, entweder liefern die pflanzlichen Lebensmittel sowie Eier und Milch genug Mineralien, so dass der Verlust im Fleisch nicht ins Gewicht fällt, oder aber: Wir brauchen nicht so viele Mineralstoffe, wie weithin vermutet wird. Unabhängig davon bleibt festzuhalten: Als Nährstoffquelle ist Fleisch durchaus entbehrlich.

Aber es schadet uns auch nicht zwangsläufig. Zwar werden viele Mediziner und Ernährungswissenschaftler nicht müde, vor den Folgen hohen Fleischkonsums zu warnen, weil er den menschlichen Körper mit tierischen Fetten überschwemme, die schließlich zu Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen würden. Die These lässt sich jedoch nur halten, wenn die wissenschaftlichen Daten auch verarbeitetes Fleisch berücksichtigen. Dazu zählen alle Produkte, die durch Räuchern, Salzen, nitrithaltiges Pökelsalz oder andere Chemikalien behandelt wurden, um sie haltbar zu machen oder geschmacklich und optisch aufzuwerten, wie etwa dunkler würziger Schinken, Salami, Wurst und Hot Dogs.

Ein Forscherteam der Harvard School of Public Health in Boston analysierte die aktuellen Forschungsarbeiten zu den Zusammenhängen von Diabetes, Herzerkrankungen und Fleischverzehr. Eine Fleißarbeit, denn es galt, insgesamt 1600 Publikationen zu sichten. Aus diesen blieben schließlich 20 Arbeiten übrig, in denen die Verarbeitung des Fleisches berücksichtigt wurde. Sie lieferten immerhin noch Daten von mehr als 1,2 Millionen Menschen, was man als durchaus repräsentativ bezeichnen kann.

Nur unbehandeltes Fleisch ist unbedenklich

Im Ergebnis zeigte sich: Schon der tägliche Verzehr von 50 Gramm verarbeitetem Fleisch reicht aus, um das Diabetesrisiko um 19 und das Risiko für eine Herzerkrankung um 42 Prozent ansteigen zu lassen. Also reicht schon das tägliche Frühstücksbrötchen, dick mit Salami belegt, um Herz und Stoffwechsel negativ zu beeinflussen. Wer dagegen die gleiche Menge an nicht behandeltem Fleisch isst, hat kein höheres Risiko als der Bevölkerungsdurchschnitt. Ein kleines, frisches Steak am Tag ist also aus gesundheitlicher Sicht unbedenklich.

Studienleiterin Renata Micha betont, dass auch andere Risikofaktoren für Herz und Stoffwechsel in ihren Ergebnissen berücksichtigt wurden, aber keine Rolle spielten: "Die Konsumenten von verarbeitetem und die von frischem Fleisch haben einen ähnlichen Lebensstil." Man findet unter ihnen beispielsweise ähnlich viele Raucher. Es sind also tatsächlich der Schinken und die Salami und nicht die Lebensgewohnheiten der Salami- und Schinkenesser, die Herz- und Stoffwechselerkrankungen fördern.

Bleibt die Frage, warum verarbeitete Fleischprodukte so schädlich sind. Ihr Anteil an Cholesterin und ungesättigten Fetten spiele jedenfalls keine Rolle, erklärt Micha, denn darin unterschieden sie sich nicht von unverarbeiteten Produkten. "Dafür enthalten sie 50 Prozent mehr Nitritsalze sowie viermal so viel Kochsalz", so die Epidemiologin. Kochsalz gilt als Risikofaktor für Bluthochdruck.

Renata Micha räumt ein, dass man die Daten nicht im Hinblick auf das Risiko von anderen schweren Erkrankungen untersucht hätte wie etwa Krebs und Parkinson. Aber schon länger ist bekannt, dass wir die Pökelsalze im verarbeiteten Fleisch zu Nitrosaminen umwandeln, die als Krebsrisiko gelten. Und Neuropathologin Suzanne de la Monte vom amerikanischen Rhode Island Hospital erklärt, der Verkauf von Fast Food und verarbeitetem Fleisch sei in den USA zwischen 1970 und 2005 um das Achtfache gestiegen. Ähnlich rasant wie die Belastung durch nitrithaltige Speisen hätten sich die Todesfälle durch Alzheimer und Parkinson gehäuft.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Wenn Sie Fleisch mögen, können Sie sich Krankheiten aussetzen und Ihrer Gesundheit schaden. Nur eine vegetarische Ernährung garantiert Ihnen ein gewisses Maß an gesunder Ernährung. Hinzu kommt die ethische Frage, ob Tiere geopfert oder ausgerottet werden dürfen, und schließlich die damit verbundene Umweltverschmutzung und der unnötige Ressourcenverbrauch.

Anlässlich des Weltvegantags am 1. November räumt der Deutsche Tierschutzbund mit den 30 gängigsten Vorurteilen über vegane Ernährungs- und Lebensweise auf, die sich in den Köpfen vieler Menschen halten. Diese reichen von der Behauptung, der Mensch sei von Natur aus Allesesser bis zur Annahme, vegane Ernährung sei ungesund. Die 30 Mythen haben die Tierschützer in ihrem neu veröffentlichten Mythenpapier „Warum vegan? Argumentieren für den Tierschutz“ zusammengestellt. Mit der Publikation will der Deutsche Tierschutzbund zeigen, dass eine pflanzenbasierte Ernährung nicht nur möglich, sondern vor allem aus ethischen Gründen sinnvoll ist.

„Vegan lebende Menschen werden noch immer von der Gesellschaft belächelt, obwohl es mehr als genug Fakten gibt, die für den Veganismus sprechen. Unser Mythenpapier liefert diese Fakten und entkräftet gängige Mythen rund um die pflanzliche Ernährung“, sagt Verena Jungbluth, Leiterin des Referats Veganismus beim Deutschen Tierschutzbund. „Wir geben Interessierten damit auch einen Leitfaden an die Hand, um die Grundlagen der Philosophie des Veganismus zu verstehen, Argumente dagegen besser einordnen zu können und in Gesprächen mit anderen gut aufgestellt zu sein.“

Ist vegan zu leben ungesund?

Kritiker bezeichnen die vegane Lebensweise ohne tierische Produkte oft als ungesund. Fakt ist, dass eine ausgewogene pflanzliche Ernährung alle essenziellen Nährstoffe abdeckt. Kalzium und Proteine sind in pflanzlichen Lebensmitteln ausreichend vorhanden. So sind Hülsenfrüchte und Nüsse gute Proteinlieferanten. Lediglich Vitamin B12 müssen Veganer dem Körper durch Nahrungsergänzungsmittel zuführen. „Jeder Mensch kann mit seinem Konsum seinen eigenen Beitrag auf dem Weg zu einer tierleidfreieren Welt leisten. Die vegane Ernährungs- und Lebensweise ist der direkteste und konsequenteste Weg zu mehr Tierschutz. Wir hoffen, so viele Menschen wie möglich zu überzeugen und für den Veganismus zu begeistern“, so Jungbluth.

Quellen:

www.tagesschau.de/wissen/forschung/palaeontologie-australopithecus-fleischkonsum-100.html

www.labo.de/spektroskopie/waren-unsere-vorfahren-vegetarier--neue-methode-zur-stickstoffisotopenbestimmung-liefert-antworten.htm

www.velivery.com/de/v-story/unsere-peganen-vorfahren-wie-vegan-ernaehrten-sich-die-steinzeitmenschen.html?srsltid=AfmBOoqrGwtauF-OkYe7q9GhQdn9PWpC7T6BjhCqHOVGSIi_f0S9u_aW

www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/vegetarismus-brauchen-wir-eigentlich-noch-fleisch-a-871217.html

www.tierschutzbund.de/ueber-uns/aktuelles/presse/meldung/mythen-der-veganen-ernaehrung-im-faktencheck

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https://vykthors.blogspot.com/2020/10/vegetarianismo-vs-carnismo-una-vida.html


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